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WIE FINDE ICH DEN RICHTIGEN LEKTOR? MEIN ERFAHRUNGSBERICHT

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#AUTORENLEBEN FOLGE 1: WIE FINDE ICH DEN RICHTIGEN LEKTOR: MEIN ERFAHRUNGSBERICHT

23. JULI 2018/SEB HOFMANN/#AUTORENLEBEN

Ich habe es geschafft! Mein Roman „Froschperspektive“ ist für alle Verkaufskanäle vorbereitet. Der Verkauf des E-Books beginnt am 24.07.2018. Da ich bis dahin nicht länger sämtliche Onlinebuchläden nach der ISBN der Printausgabe durchforsten will, dachte ich, ich fasse meine Gedanken und Erlebnisse der letzten Wochen einmal in einer kleinen Blogpost-Serie unter dem Hashtag #Autorenleben zusammen. Ich möchte darüber berichten, welche Erfahrungen ich mit Lektoren, Coverdesignern und Buchsetzern gemacht habe und mit welchen Kleinigkeiten und größeren Problemen ich konfrontiert wurde.

Deshalb fange ich heute einmal mit dem Lektorat an.

Vor einigen Wochen twitterte ich:

„Schreiben ist, geniales Zeug aufs Papier bringen und beim Überarbeiten merken, dass es scheiße war.“

So ist es auch. Und wenn man es selbst nicht merkt, merken es die anderen. Schreiben ist immer ein Lernprozess und wird auch immer einer bleiben, egal wie gut man ist. Autoren sind auch keine Übermenschen, und in uns allen steckt die Angst zu Versagen. Diese Angst zwingt uns, unsere Texte immer und immer wieder zu überarbeiten und bewahrt uns davor, uns der Euphorie hinzugeben, die Rohfassung dem Leser zuzumuten. Aber die gleiche Angst hindert uns womöglich auch, den Text endlich mal gehen zu lassen.

Nachdem wir den Text bis zum Erbrechen überarbeitet haben, ist er reif für den Lektor, und da ist sie auch schon wieder, die menschliche Angst, nicht gut genug für einen professionellen Lektor zu sein. Doch korrigiert ein guter Lektor nicht nur den Text, sondern auch ein wenig den Autor, denn zumindest veröffentliche ich jetzt „Froschperspektive“ mit einem etwas besseren Gefühl.

Zugegeben, es ist sicher auf den ersten Blick nicht wenig Geld, das Lektoren aufrufen, aber um es kurz und knapp zu machen: Ein guter und erfahrener Lektor ist nicht leicht zu finden und er ist jeden Cent wert.

Eine brauchbare Anlaufstelle ist der Verband der Freien Lektorinnen und Lektoren (VFLL). Dort kann man das eigene Projekt auf einen E-Mail-Verteiler setzen lassen, für den die Mitglieder registriert sind. Das reduziert schon einmal die Auswahl auf Lektoren mit freien Ressourcen und einem Grundinteresse. Ich habe aus Transparenzgründen einfach den gesamten Roman als PDF mitgeschickt. Antworten erhält man recht schnell, leider mitunter von fragwürdiger Qualität. Teilweise wurde mir schon an der Formulierung der Antwortmail klar, dass mein Roman sich dort in keinen guten Händen befinden würde, bei anderen Lektoren, mit denen ich in Kontakt kam, fehlte mir die nötige Neutralität, da ich mich zunächst für das rechtfertigen sollte, was ich zu Papier gebracht habe.

In einem Roman steckt viel Persönliches drin, und auch wenn das Lektorat ein professionelles Verhältnis ist, so muss es auch auf persönlicher Ebene passen. Letztlich habe ich mich auf mein Bauchgefühl verlassen, und von den vielen Anfragen blieben am Ende zwei übrig. Ich habe auf einem Probelektorat oder einem persönlichen Gespräch bestanden, jedoch ließ sich darauf nur ein Lektor ein, glücklicherweise der, der ohnehin schon mein Favorit war, und nachdem ich das Probelektorat hatte, war ich überzeugt.

Braucht man überhaupt einen Lektor?

Ich weiß, es gibt unzählige Diskussionen darüber, ob man wirklich ein Lektorat braucht, oder ob man es selbst hinbekommt, weil eigentlich ist es doch viel zu teuer, und außerdem haben es doch schon so viele so toll gefunden.

Doch wenn man die Frage über seine Leidenschaft schon von einem ökonomischen Standpunkt aus betrachten will, dann sollte man alle Faktoren einbeziehen. Wenn man sich als Autor nämlich bewusst für das Schreiben entscheidet, entscheidet man sich gleichzeitig gegen etwas anderes, nämlich gegen alles, was man hätte stattdessen tun können, egal ob dies nun Freizeit oder Arbeitszeit ist. Ich habe nicht einmal mehr einen groben Anhaltspunkt, wie viele Stunden tatsächlich in „Froschperspektive“ stecken, die ich hätte gewinnbringender oder entspannter verbringen können, sodass im Verhältnis die Kosten für das Lektorat beinahe lächerlich gering sind.

Und betrachten wir einmal den Lektor auf der anderen Seite. Wenn ich das lektorierte Word-Dokument durchgehe, so sind die Kommentare und Anmerkung auch gleichzeitig ein lückenloser Arbeitsnachweis. Jeder Überarbeitung wird mit einem Zeitstempel versehen, der zeigt, dass ein Lektor mit dem gleichen Idealismus, über Wochen, und das zu später wie frühen Stunde arbeitet, genau wie der Autor.

Doch ich haben auch ein paar aussagekräftigere Zahlen zu bieten: Ich habe einen Text abgegeben, den ich für ganz gelungen hielt und der schon von einigen, in meinen Augen qualifizierten Leuten, korrekturgelesen wurde.

Das Ergebnis nach dem Lektorat war: 7621. Das bedeutet: 4378 Einfügungen, 2958 Löschvorgänge, 2 Verschiebungen, 4 Formatierungen und 279 Kommentare, und das bei etwas über 200 Normseiten.

Ernüchternde Zahlen, die nicht gerade für die eigenen Fähigkeiten, Fehler zu finden, steht. Ich habe mich aufgrund der bereits angesprochenen Selbstzweifel nur langsam an die Änderungen in Word gewagt, die offensichtlichen Fehler akzeptiert und die Kommentare so lange umschifft, bis nur noch unbequeme Hinweise übrig waren. Teilweise habe ich mich gefühlt, als würde ich in einem Streitgespräch mit meinem Lektor stehen, als müsste ich mein geschriebenes Wort rechtfertigen. Aber man trägt keinen Kampf gegen den Lektor aus, sondern gegen sich selbst. Denn wie ich eingangs gesagt habe, wir haben immer Angst zu scheitern, und egal wie wertschätzend und gutgemeint die Kommentare des Lektors sind, ein wenig fühlen sie sich immer nach Scheitern an. Die eigene Fähigkeit, Fehler zu sehen und einzusehen, ist getrübt, und so hart die Erkenntnis auch sein mag: Im Zweifel hat dein Lektor Recht, und das ist am Ende auch gut und richtig so.

Wer sich gerade aufgemacht hat einen Lektor zu suchen und diesen Weg etwas abkürzen möchte, dem kann ich wärmstens Dr. Volker Sellmann empfehlen. Herrn Sellmann haben „Froschperspektive“ und ich eine Menge zu verdanken, denn seinetwegen gehe ich etwas beruhigter an den Verkaufsstart.



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